na sowas!

wie darf man das denn verstehen? erstaunlich....

 

Piraten_online_untersuchung

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warum die schwaben so viel lachen

ich habe eine beobachtung gemacht, die womoeglich gar nicht spezifisch
ist fuer schwaben. und ob es spezifisch und charakteristisch
schwaebisch ist, ist auch egal, es geht ums phaenomen.


es ist mir zumindest unter schwaben zum ersten mal aufgefallen, dass
menschen, die sich im alltag, im bus, beim zufaelligen treffen in der
kneipe, an der kasse im supermarkt... unterhalten, sehr haeufig
lachen. sie lachen nicht aus irgendeinem anlass, nicht weil eine oder
einer von beiden etwas lustiges oder hintergruendiges gesagt haette,
nicht, weil sie sich gegenseitig an eine komische situation erinnern,
oder weil sie sich etwas erzaehlen, das sie besonders freut. sie sagen
sich ganz banale und nicht im wortsinn lustige dinge, aber lachen
herzhaft darueber. sie lachen gewissermaszen ueber die fliege an der
wand. warum, habe ich mich oft gefragt. haben die leute einen humor,
den ich ueberhaupt nicht verstehe und zu dem ich nicht den geringsten
zugang habe? ist es vielleicht fuer sie lustig, dass einer sagt "der
bus kommt auch nie puenktlich", "heute morgen habe ich noch gedacht,
lass den regenschirm zuhause und jetzt regnet es!", oder dass jemand
auf die frage "ist dieser platz noch frei?" eine positive antwort
gibt? oder ist es eine art mario-barth-"humor", bei dem die menschen
sich ausschuetten vor lachen, weil jemand ihnen ihre ewig gleichen
dumpfen gedanken und ihren fuerchterlich langweiligen, bratwurstigen
und z. b. in geschlechtsclichés zementierten alltag wieder und wieder
vormacht? ich glaube, so aehnlich, aber das lachen ist noch weniger
auf einen als wie auch immer irregeleitet als lustig empfundenen
gegenstand gerichtet, ja, es ist ueberhaupt nicht auf einen gegenstand
gerichtet, sondern erfuellt eine rein sozio-emotionale
schmiermittelfunktion.


gerade weil das, worueber die menschen sprechen, so banal, langweilig
und unaufregend ist, es aber 'dazugehoert', es einfach so zu sein hat,
dass man redet, ist die interaktion eigentlich sehr unertraeglich. es
ist anstrengend und nervt, dass man sich gegenseitig den immer
gleichen mist verzapft und sich dabei immer und immer wieder vor die
augen fuehrt, wie uninteressant und sinnlos "das leben" ist und wie
sehr man verlernt hat, sich zumindest in konversationsthemen dagegen
aufzulehnen. man redet also nur ueber das wetter, den einkauf, die
fahrplandisziplin der stadtbusse, muss sich aber vergewissern, dass
die 'interaktion', die verbindung zu den anderen leuten um einen
herum, die phantasie der 'gemeinschaft', die dabei hergestellt werde,
'echt' sei. sie muss wenigstens halbwegs plausibel scheinen. das
verdruckste lachen ueber irgendeinen voellig unlustigen mist
suggeriert, dass das aneinander hinquatschen von uninteressantem doch
erfuellend sei, einen wert habe. so versetzen sich die interaktanten
gegenseitig in die lage, im nachhinein aus ihrem lach-verhalten und
dem eindruck positiven affekts, der durch lachen im gespraech
heraufbeschworen wird, zu rekonstruieren, dass es wohl angenehm und
schoen gewesen sein muss, dass sie sich einig waren und "gemeinschaft
erfahren" haben. dann macht es einfach nichts mehr, ob das inhaltlich
gesagte stumpfes, uninteressantes geblubbere war, oder ob tatsaechlich
wenigstens ein einziger interessanter gedanke getauscht wurde,
geschweige denn jemand einen witz oder allgemeiner etwas halbwegs
witziges erzaehlt hat. das witzlose lachen waere nach dieser hypothese
indikator und ausdruck des gegenteils von lustigkeit. es muesste, wenn
etwas daran ist, zu beobachten sein, dass das lachen in abwesenheit
von (wenigstens intendierten) witzen umso ausgepraegter ist, je
trostloser und banaler die verhandelten gespraechsthemen und konkreten
informationen, die ausgetauscht werden, sind, je weniger den
gespraechspartnern etwas aus ihrem leben einfaellt, dass die
erwaehnung und mitteilung lohnte. an diesem empirischen test werde ich
mal dranbleiben.

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